Freiwilliges Engagement bei Tasifan

Der Kinder- und Jugendzirkus Tasifan ist ein Teil der Kindervereinigung Weimar e.V. und freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe. Tasifan ist ein Kinder- und Jugendzirkus der besonderen Art. Das heißt, wir arbeiten gemeinsam mit den Kindern, lassen uns auf ihre Bedürfnisse ein und gestalten den Zirkus mit ihnen zusammen. Jeder Workshop und jedes Projekt ist dadurch verschieden, keine Show spielen wir woanders noch einmal. Der Fantasie und Kreativität wird ein großer Raum gelassen. 

Wir arbeiten mit unterschiedlichsten Kindern und Jugendlichen, sind also in sozialen Brennpunkten genauso unterwegs wie an den Orten, wo die Kinder sich ihre Freizeit schon sehr selbständig gestalten. Auch die Arbeit mit Geflüchteten liegt uns sehr am Herzen, verschiedene Projekte gestalten wir mit ihnen zusammen um ihnen den Einstieg in unsere Gesellschaft zu erleichtern.

In diese Welt nehmen wir gerne jedes Jahr junge Menschen mit, die z.B. nach der Schule für eine Zeit lang Erfahrungen in diesen Bereichen machen möchten und sich für ihren weiteren Weg in unserer Gesellschaft orientieren wollen.

Was kannst du bei uns tun?

Wie kommst du zu uns?

Wir bieten verschiedene Möglichkeiten an, praktische Erfahrungen im Bereich Kinder- und Jugendarbeit zu sammeln:

Du bewirbst dich am besten über das Onlineportal „PlatzfindeX“ der LKJ Thüringen, von dort wirst du durch das Bewerbungsverfahren bis zu uns gelangen. Den Wunsch, zu uns zu kommen, kannst du auch direkt in deine Onlinebewerbung schreiben.

Dieser dauert in der Regel auch ein Jahr. Dafür melde dich bitte direkt bei Tasifan und schreib uns ein E-Mail an mail@tasifan.de.

Du hast bei uns die Möglichkeit, ein Schulpraktikum zu machen. Auch wenn du ein Studium insbesondere im sozialen Bereich absolvierst, kannst du gerne zu uns kommen. Melde dich hierfür direkt bei uns unter mail@tasifan.de.

Der internationale Austausch ist schon immer ein wichtiger Bestandteil Tasifans gewesen. Wenn du Interesse daran hast, melde dich bitte direkt bei Tasifan unter mail@tasifan.de.

Erfahrungen von Freiwilligen

Du überlegst, einen Freiwilligendienst beim Zirkus Tasifan zu machen?
Unsere drei Freiwilligen von 2019/2020, Lina, Emma und Anne, geben einen Einblick in ihr Jahr beim Zirkus.

Huhu!
Ich bin Lina aus Erfurt.

Seit vielen Jahren fahre ich Einrad, nähe, klettere, laufe Slackline und mache Musik. Nach 12 Jahren Schule habe ich einen Ort gesucht, an dem ich die Welt ein klein wenig besser machen kann und dazu beitrage, dass Kinder Kinder sein können und Erwachsene das Kind in sich nicht vergessen.

Ich wusste schon, das ich später nicht im sozialen Bereich arbeiten möchte. Ich will Häuser entwerfen oder Möbel bauen. Trotzdem habe ich mich entschieden bei Tasifan meinen Bundesfreiwilligendienst zu machen, wo man immer wieder wundervolle Momente gemeinsam erlebt.

In Weimar unterstütze ich den Einradworkshop, Trapez, Jonglage, Parcours und bin beim Grundkurs und dem Stadtteilzirkus in Weimar West dabei. Als Freiwillige/r hat man die Aufgabe die Workshopleitenden in ihren Workshops zu unterstützen.
Zudem kann man sich in der Nähwerkstatt oder im Technikteam engagieren. Je sicherer man wird, desto mehr Verantwortung bekommt man. Dadurch kann man sich sehr individuell Aufgaben suchen und zudem selbstständig arbeiten. Dieses sind die Hauptpunkte warum mir die Arbeit bei Tasifan so viel Spaß macht und ich es nicht bereue, meinen BFD hier zu machen.

Also Ihr Lieben, habt nen guten Tag und genießt das Leben!

Ello, ich bin die Emma, 19 Jahre alt und mache 2019/20 ein FSJ bei Tasifan. Ursprünglich komme ich aus einer ganz anderen Ecke Deutschlands , nämlich aus dem nördlichen Bremen. So anders wie mein ehemaliger Wohnort war, sind auch meine Freizeitaktivitäten, die mit Zirkus so gar nichts zu tun hatten, jedoch sehr viel Musik in mein Leben brachten, wie das in einer Band, im Chor oder in der Dusche Singen, Theater spielend oder tanzend auf der Bühne Stehen oder im Orchester und in der Musikschule Bratsche Spielen. Mit 18 Jahren hab ich mich dann entschlossen mein Leben komplett umzukrempeln und mich einem ganz neuen Ort und einer ganz neuen Herausforderung zu widmen: Zirkus.

Zirkus kannte ich bislang nur aus dem Fernsehen und hatte eigentlich gar keine Berührungspunkte damit. Somit stellten sich natürlich bei mir allerlei Fragen: Wie wird das Leben beim Zirkus sein? Was werde ich erleben? Was werde ich mitnehmen?

Und nach 6 Monaten bei Tasifan kann ich nun sagen: das Leben hier ist gut.

Im Laufe der Zeit habe ich mich auch in verschiedenen Disziplinen versucht. Clownerie, Tuch und Akrobatik haben es mir am meisten angetan. Bei diesen Disziplinen empfinde ich viel Freude, mich darin selbst weiterzuentwickeln und sie den Kindern näherzubringen.

Zwar können einige Tage und Wochen in diesem FSJ, in dem man viel mit Kindern zu tun hat, sehr anstrengend werden, aber am Ende des Tages freut man sich über den Erfolg und das Ergebnis was man (zusammen) geleistet hat. Sei es, sich selbst herauszufordern oder auch anderen eine Herausforderung zu stellen.

Und das ist, was mein Leben beim Zirkus zu einem guten Leben macht.

Hey ho, ich bin Anne und ,,ick bin Chemnitzer. Da kieckste wa?“ – würde mein Papa jetzt sagen. Meine Familie kommt nämlich ursprünglich aus Potsdam. Ich hingegen bin in Chemnitz geboren und aufgewachsen. Und Thüringen war bestimmt nie meine Wunschheimat. Trotzdem ist Weimar in kürzester Zeit mein Zuhause geworden. Woran Tasifan nicht ganz unschuldig ist. 😉

Ich ging schon immer sehr vielen Interessen nach: darunter Reiten, Klettern, Nähen, Handlettering, Gedichte schreiben und die Ohren meiner Umwelt mit der Blockflöte verzaubern (oder quälen :-)).

Drei Jahre vor meinem FSJ zog mich Tasifan durch ein Schulprojekt an meiner damaligen Chemnitzer Schule in den Bann der Zirkuswelt. Und die Faszination ließ mich bis heute nicht los.

Ob es nun Tuch oder Trapez waren, die mich fliegen lehrten, das Drahtseil, was mir Geduld beibrachte oder die Diaboloschnur, die mich einwickelte und nicht mehr losließ, vermag ich nicht zu sagen. Aber ein Leben ohne Zirkus könnte ich mir nicht mehr vorstellen. Zirkus ist mehr als nur Tricks lernen und ein Requisit beherrschen. Zirkus ist Ausdruck, Freiheit, Vielfältigkeit, Selbstvertrauen gewinnen, Durchhalten, getragen werden, hinfallen und immer wieder neu laufen lernen. Zirkus ist Familie.

In meinem FSJ liebe ich es, genau diese ganzen Schätze an die Kinder weiterzugeben. Zuhören, wenn die laute Welt sonst kein Ohr leiht. Wertschätzen, was erreicht wurde. Ermutigen, wenn das Durchhaltevermögen durchhängt. Und Fehler kein Grund sein lassen, mit etwas aufzuhören.

Zirkusprojekte in Stadtteilen oder Schulen sind das, wo alles zusammen kommt. Die Nähwerkstatt macht die Kostüme, die Werkstatt baut die Kulissen aus Pappe, Holz oder was man noch so findet, das Technikteam kümmert sich darum, dass alle Scheinwerfer angeschlossen sind oder die Musik läuft und die Workshopleitenden leiten die Kinder an. Alle packen zusammen an.

Die Projekte finden hauptsächlich in Weimar statt. Während der Projekte schlafen wir entweder bei uns Zuhause oder am Papiergraben. In dieser Zeit ist es schwer, sich zurückzuziehen, daher ist es sehr wichtig, seine Bedürfnisse zu benennen. Geht am besten auf die anderen zu und fragt sie, wie es ihnen geht. So schafft ihr ein gutes Miteinander und fühlt euch wohl.

In den Workshops haben wir Freiwilligen hauptsächlich die Aufgabe die Workshopleitenden zu unterstützen. Im Laufe des Freiwilligendienstes bekommen wir immer mehr Verantwortung, so dass wir auch eigene Aufgaben übernehmen. Sprecht da einfach mit eurem Workshopleiter oder eurer Workshopleiterin, was ihr euch zutraut und was nicht. So ist es angenehm für beide Seiten.

In der Zeit nach den Workshops bereiten wir den nächsten Tag vor. Wir suchen Musik für die Show aus, basteln die Kulisse, suchen Kostüme für den Auftritt oder bereiten die Technik vor. Trotz eines straffen Zeitplanes bleibt immer Zeit, um zu trainieren, Quatsch zu machen oder einfach mal eine Runde spazieren zu gehen.

Am letzten Tag findet die Show statt. Das ist der Höhepunkt. Große Aufregung ist vorprogrammiert. Ist die Show beendet, sind die Kinder und auch wir stolz wie Bolle, aber meistens auch krachfertig. Für uns geht es dann ans Aufräumen und schließlich ab nach Hause um endlich ein wenig Schlaf nachzuholen. Die Projekte können sehr anstrengend sein aber auch wunderschön. Am Ende denkt man immer: „Was? Die Woche ist schon vorbei?“ und man überlegt, was man alles gemacht hat und eigentlich hat man fast immer ein Lächeln im Gesicht, wenn man an die Woche zurückdenkt.

Zusammenfassend: Als Freiwillige/r hat man die Aufgabe die Workshopleitenden in ihren Workshops zu unterstützen. Zudem kann man sich in der Nähwerkstatt, der Kulisse oder im Technikteam engagieren. Und je sicherer man wird, desto mehr Verantwortung bekommt man. So kann man sich sehr individuell Aufgaben suchen und selbstständig arbeiten. Man lernt immer wieder neue Sachen kennen und steht vor neuen Herausforderungen.

 

Nach den Sommerferien beginnt sie: die neue Zirkussaison für alle Tasifankinder, -jugendlichen und -erwachsenen in Weimar.

Mit großem „Hallo“, breitem Lächeln und stürmischen Umarmungen werden die alten und neuen Workshopleitenden in den ersten Wochen begrüßt. Vor allem in den Stadtteilen wie Schöndorf und Weimar-West wird das große rote TASIFAN-Auto schon sehnsüchtig erwartet. Eine Besonderheit von Tasifan ist es, dass nicht nur die Kinder zu uns kommen, sondern auch wir zu den Kindern: Das ist das Konzept des Stadtteilzirkus. Dafür ist der Zirkusbus mit Material wie Akrobatikmatten, Laufkugeln, Einrädern und Jongliermaterial ausgestattet und bringt dies in die Turnhallen der Kinder. Für ein paar Stunden in der Woche heißt es dann nicht „Sport frei!“ sondern „Taaa Siiii Faaaan!“. Nach der Vorstellungsrunde für alle neuen Kinder gibt es ein Spiel und eine gemeinsame Erwärmung. Anschließend entscheiden sich die Kinder für gewöhnlich zwischen Akrobatik, Kugellaufen, Einrad, Rola Bola oder Jonglage. Überraschungen gibt es bei der Workshopauswahl regelmäßig auf beiden Seiten. Je nach Trainer/in oder mitgebrachtem Material variiert das Angebot für die Kinder. So gibt es manchmal auch Hula Hoop, Stabdrehen oder zur ganz besonderen Freude Mini-Trampolin. Für die Workshopleiter ist es hingegen jede Woche aufs neue spannend, welche Kinder sich für ihren Workshop entscheiden werden. Das schöne am Stadtteilzirkus für die Freiwilligen ist es, dass wir je nach Vorerfahrung sehr bald eigenständig einen der Workshops anleiten können. Und das schöne für die Kinder ist, dass alle mitmachen können, denn es ist kostenlos.

Die Kurse Trapez, Vertikaltuch, Jonglage, Einrad und Parcours aber auch der Familienzirkus, der Grundkurs und die Jugendgruppen tragen die Bezeichnung Biozirkus. Dabei ist dies kein ökologisches Label, sondern die Kurzform für Zirkusbiografie. Ein Kind, das sich für einen oder auch mehrere dieser Workshops entschieden hat, kommt wöchentlich zum Training in die Schwungfabrik oder auch in die Turnhalle an der Hart, um gezielt an dieser Disziplin zu trainieren. Viele Kinder und später Jugendliche kommen seit vielen Jahren und haben sich so eine kleine Zirkusbiografie aufgebaut, daher die Bezeichnung. Die Trainings vom Biozirkus laufen nach gleichem Prinzip ab wie beim Stadtteilzirkus: Begrüßung, Erwärmung, Training und manchmal ein Abschlussspiel.

Etwas spezial sind nochmal der Familienzirkus, der Grundkurs an der Hart und die Jugendgruppen. Im Familienzirkus kommen die ganz Kleinen mit ihren Eltern und probieren sich innerhalb verschiedener erzählter Geschichten durch die Anfänge der Zirkusartistik durch. Im Grundkurs kommen Grundschüler und manchmal auch Kindergartenkinder, die schon Zirkusluft schnuppern wollen und können jede Woche zwischen verschiedenen Disziplinen wählen und austesten, was ihnen am meisten Freude bereitet. Die Jugendgruppen sind der Ort für die langjährigen Tasifans. In fester Gruppenkonstellation wird sowohl gemeinsam an einer Disziplin als auch an individuellen Disziplinen trainiert. Nicht selten gibt es auch Auftritte von einer Jugendgruppe.

Affen und Hühner neben Prinzessinnen und Piraten in einer Unterwasserwelt mit gefährlichen Haien und den am falschen Ort gelandeten Aliens. Die Kostümvielfalt ist groß und ein nicht wegdenkbarer Teil bei den vielen verschiedensten bunten Auftritten von den kleinen und großen Tasifans.

Ob bei der Abschlussshow einer Projektwoche oder einem Auftritt bei der Weihnachtswoche im mon ami, die Kostüme dürfen nicht fehlen. Deshalb gibt es die Kostümwerkstatt in Legefeld. Hier arbeiten überwiegend Ilse und Isolde und stellen sicher, dass jedes Kind an seinem großen Tag ein sauberes und lochfreies Kostüm tragen kann. Viele Kostüme aus der Kostümwerkstatt sind selbstgenäht. Andere wurden gespendet oder gekauft. In die Kunst des Selbstnähens durfte ich für ein paar Wochen meines FSJs auch eintauchen. In dieser Zeit konnte ich mein Nähwissen um über 100% erweitern. Schnittmuster lesen, Stoff zuschneiden, Bündchen einnähen und herausfinden, wann die Zeit für den Nahtauftrenner gekommen ist.

Auch an die Kinder der Legefelder Grundschule werden einige Grundlagen des Nähens weitergegeben. Dafür bieten Ilse und Isolde einen wöchentlichen Nähworkshop an. Auch hier hat man als FSJler/in die Chance sich einzubringen. Zu lernen und weiterzugeben.